NAHTSTELLEN - Fotos für die Pressefreiheit

Acht Serien aus sechs Ländern

Die Bilder der Ausstellung "NAHTSTELLEN" nehmen den Betrachter mit nach Osteuropa und Zentralasien, in Länder, in denen die Lage der Medien meist sehr prekär ist. Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über die Situation der Presse- und Meinungsfreiheit in Russland, Tschetschenien, der Ukraine, Weißrussland, Georgien und Kasachstan.

In RUSSLAND sind die Serien von Khoroshilova, Roberts und Herfort entstanden

Eine unabhängige Berichterstattung wird in Russland immer schwieriger.
Die Chefredakteurs- und Herausgeberposten der großen Medien sind fast durchgängig mit kremltreuen Personen besetzt. Freie Zeitungen müssen mit Schikanen rechnen: Die Polizei durchsucht Redaktionsräume, die Blätter werden immer wieder geschlossen und ihr Eigentum beschlagnahmt. Der Staat übt zudem Druck auf ihre Vermieter aus, Verträge zu beenden, so dass ihnen keine Redaktionsräume mehr zu Verfügung stehen. Furcht vor der Polizei führte vor allem im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vom Dezember 2007 bzw. März 2008 zu Selbstzensur. Rund um die Wahlen verprügelten Sicherheitskräfte zudem Journalisten oder nahmen diese fest, wenn sie beispielsweise über Korruption oder von Demonstrationen der Opposition berichteten.
Die Mörder der Jounalisten Anna Politkowskaja (erschossen im Oktober 2006) und Paul Klebnikow (erschossen im Juli 2004) sind noch immer auf freiem Fuß.
Platz auf ROG-Rangliste: 141 (von 173)Opens external link in new window

Weitere Informationen zur Pressefreiheit in Russland finden Sie auf unserer internationalen Website Opens external link in new window

Sadulajevs Bilder sind aus TSCHETSCHENIEN, das zu Russland gehört

Kritische Berichterstattung ist in Tschetschenien schwierig und gefährlich. Zwar gibt es rund 40 Tageszeitungen, etliche lokale und drei regionale Fernsehprogramme. Doch werden die tschetschenischen Medien alle direkt oder indirekt von Präsident Ramsan Kadyrow kontrolliert. Politische Themen oder gar Kritik an Kadyrow oder dem Moskauer Kreml sind lebensgefährlich. Das Internet als unabhängige Informationsquelle scheidet aus, denn kaum ein tschetschenischer Haushalt hat einen Computer. Ausländische Journalisten müssen sich in Moskau offiziell akkreditieren. Sie dürfen dann nur für kurze Zeit ins Land und werden ständig begleitet und kontrolliert von russischen Soldaten. Sich frei im Land zu bewegen oder eigenständig Kontakt mit der lokalen Bevölkerung aufzunehmen, ist kaum möglich.
Auf der ROG-Rangliste wird Tschetschenien nicht eigens gelistet, sondern zählt zu Russland.

Die Bilder von Liankevich stammen aus WEIßRUSSLAND

Die Situation der Pressefreiheit in Europas letzter Diktatur ist desolat; die Menschen kommen kaum an unabhängige Informationen. Es existieren nur noch wenige freie Medien und die müssen im Untergrund arbeiten. Der Staat kontrolliert Druck und Vertrieb der Presse komplett; wer dennoch unabhängige Inhalte produziert, muss damit rechnen, systematisch in den Bankrott getrieben zu werden. Neue, kritische Medien können sich nur schwer etablieren, denn sie erhalten die nötigen Lizenzen nicht. Auch das Internet unterliegt  weitreichender staatlicher Kontrolle; Internetcafés werden überwacht. Journalisten, auch ausländische Korrespondenten etwa aus Polen, werden schikaniert. So nahm die Polizei bei Demonstrationen Medienleute häufiger unter Vorwänden wie Beamtenbeleidigung fest.
Platz auf ROG-Rangliste: 154 (von 173) Opens external link in new window

Weitere Informationen zur Pressefreiheit in Weißrussland finden Sie auf unserer internationalen Website Opens external link in new window

Mielnikiewiczs Aufnahmen sind aus Abchasien, das offiziell zu GEORGIEN gehört

In Georgien gibt es zahlreiche unabhängige Medien; Journalisten können relativ frei und ungehindert recherchieren. Während des Ausnahmezustandes im November 2007 allerdings war es allen nicht-staatlichen Medien vorübergehend untersagt, Nachrichten zu bringen. Imedi TV, beliebtester Sender im Land, musste bis Mitte Dezember sogar ganz schließen. Rund um die Präsidentschafts- und die Parlamentswahlen im Januar bzw. Mai 2008 kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf Medienleute. Mehrere wurden während oder wegen ihrer Berichterstattung attackiert und verletzt. Im August 2008 starben während des fünftägigen Krieges mit Russland um Südossetien, das sich 1990 für unabhängig erklärt hatte, vier Journalisten und ein Kameramann. Auch Abchasien hat seine Unabhängigkeit erklärt (1992), ist jedoch ebenso wie Südossetien international nicht als Republik anerkannt.
Platz Georgiens auf der ROG-Rangliste: 120 (von 173) Opens external link in new window

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Jelena und Viktor Vorobjev haben in KASACHSTAN fotografiert

Der Staat kontrolliert das Internet sowie traditionelle Nachrichtenmedien. Selbstzensur und damit verbundene einseitige Berichterstattung im Sinne der Regierung sind an der Tagesordnung. Journalisten, die dennoch kritisch berichten, müssen mit Schikanen rechnen. 2007 kamen drei Journalisten bei rätselhaften Autounfällen ums Leben. Auch in den Jahren zuvor gab es ungeklärte Todesfälle von Medienleuten.
Platz auf ROG-Rangliste: 125 (von 173) Opens external link in new window

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Golovchenko fotografierte in der UKRAINE

Der Druck auf die Medien hat abgenommen, seitdem Viktor Juschtschenko 2005 das Präsidentenamt übernommen hat. Doch die politische Spaltung von Gesellschaft und Medien in ein pro-russisches und ein pro-westliches Lager macht eine unabhängige Berichterstattung schwierig. Wer zu kritisch über eines der Lager berichtet, muss mit Gewalt rechnen. Journalisten werden verprügelt, manche sogar mit Waffen bedroht. Die Täter kommen oft straflos davon oder die Verfahren werden immer wieder aufgeschoben. Die unabhängige Wochenzeitung Dzerzhinets musste Anfang 2007 wegen „Verleumdung“ schließen, nachdem sie einen örtlichen Polizeichef der Korruption beschuldigt hatte.
Platz auf ROG-Rangliste: 92 (von 169) Opens external link in new window

Weitere Informationen zur Pressefreiheit in der Ukraine finden Sie auf unserer internationalen Website. Opens external link in new window